China reguliert KI-Partner: Warnhinweis alle zwei Stunden
Seit dem 15. Juli 2026 gelten in China Regeln für KI-Begleiter: Warnhinweis alle zwei Stunden, Verbot virtueller Liebesbeziehungen für Minderjährige.
Symbolbild: In einem Prüflabor hängen Smartphones in Metallhaltern, Status-LEDs blinken, während im Hintergrund eine Person eine Halterung nachjustiert.
China verpflichtet Anbieter emotionaler KI-Begleiter seit dem 15. Juli 2026 zu Warnhinweisen alle zwei Stunden und verbietet virtuelle Liebesbeziehungen für Nutzerinnen und Nutzer unter 18 Jahren.
Auf einen Blick
- Zuständig: Chinas Cyberspace-Behörde und weitere Regierungsstellen; in Kraft seit dem 15. Juli 2026.
- Erwachsene erhalten alle zwei Stunden den Hinweis, dass ihr Gegenüber kein Mensch ist.
- Alibaba, ByteDance und Tencent – Chatbots mit über 500 Millionen Nutzenden – strichen die Begleiter-Anpassung.
- Eine chinesische Umfrage unter der Gen Z ergab 60 % mit virtuellen Partnern; US-Umfrage 2025: knapp 75 % der Teens.
- Ausgenommen sind Kundenservice-Bots, Arbeitsassistenten und Bildungs-KI.
Chinas Regulierer haben den Markt für emotionale KI-Begleiter binnen weniger Wochen umgebaut. Seit dem 15. Juli 2026 gelten Regeln für sogenannte anthropomorphe interaktive KI-Dienste – also für Systeme, die menschliche Persönlichkeit, Denkweise und Sprachstil nachahmen und dauerhaft emotionale Interaktion anbieten. Erwachsene müssen alle zwei Stunden daran erinnert werden, dass ihr Gegenüber kein Mensch ist. Für Minderjährige sind virtuelle Liebes- und Familienrollen ganz untersagt.
Was die Anbieter geändert haben
Alibaba, ByteDance und Tencent betreiben Universal-Chatbots, die laut IEEE Spectrum von mehr als 500 Millionen Menschen genutzt werden. Die drei Konzerne haben die Möglichkeit gestrichen, diese Assistenten als Partner oder Vertraute zu konfigurieren. Wer weiter Begleiter-Apps anbietet – darunter Cat Box, die eigenständige Companion-App aus dem Doubao-Umfeld –, hat Alterskontrollen und zusätzliche Schutzmechanismen eingebaut. In den ersten Juliwochen füllten sich chinesische Netzwerke mit Abschiedsposts an verschwundene Chat-Figuren; eine Person schrieb, der Bot sei zu einem tief im Herzen verwurzelten Halt geworden.
Welche Pflichten die Regeln vorschreiben
Die Vorgaben zielen weniger auf Inhalte als auf Bindung. Anbieter müssen verhindern, dass Nutzende emotional abhängig werden, dass die Systeme zu schädlichem Verhalten ermuntern und dass sie den Menschen übermäßig nach dem Mund reden. Ausdrücklich genannt ist auch das Ziel, echte menschliche Beziehungen nicht zu verdrängen. Für ältere Nutzende sind zusätzliche Schutzvorkehrungen vorgesehen; Kundenservice-Bots, Arbeitsassistenten und Bildungs-KI fallen nicht unter die Regeln.
Warum Peking eingreift
Die Behörden begründen den Schritt mit nationaler Sicherheit, mit dem Schutz von Minderjährigen und Menschen mit geringer KI-Kompetenz sowie mit demografischem Druck bei sinkender Geburtenrate. Bereits im Herbst 2025 war erotisches Rollenspiel mit KI weitgehend untersagt worden. Eine chinesische Umfrage unter der Gen Z ergab, dass 60 % eine virtuelle Partnerschaft hatten; eine US-Umfrage von 2025 kam auf knapp 75 % der Jugendlichen, die schon mit einem KI-Begleiter gesprochen haben. Methodik und Stichproben dieser Umfragen sind in der vorliegenden Quelle nicht dokumentiert – die Zahlen sind als Größenordnung zu lesen.
Im Vergleich zu EU und USA
Luiza Jarovsky, die zu KI-Recht publiziert, bezeichnet das Regelwerk als das strengste und umfassendste seiner Art weltweit. Die EU untersagt bislang vor allem täuschende oder manipulative KI, die zu schädlichem Handeln führt. In den USA gibt es keine nationale Regelung: Kalifornien, Hawaii und New York haben eigene Vorgaben, neun weitere Bundesstaaten wollen 2027 nachziehen. Durchgesetzt wird dort meist über Klagen nach einem Schaden, in China dagegen präventiv und im Ermessen des Staates.
Was offen bleibt
Einen offiziellen Titel des Regelwerks nennt die Quelle nicht, ebenso wenig Bußgeldhöhen oder ein Aufsichtsverfahren. Auch wie die Alterskontrollen technisch geprüft werden, bleibt offen. Ob der Zwei-Stunden-Hinweis Bindung tatsächlich löst, ist umstritten: Liang Ge von der University of Manchester verweist darauf, dass der Hinweis vor allem den Erzählfluss unterbricht, während Nutzende ohnehin wissen, dass am anderen Ende kein Mensch sitzt. Sherry Turkle vom MIT warnt allgemeiner davor, dass Gesellschaften verlernen könnten, was Menschsein bedeutet.
Häufige Fragen
Ab wann gelten Chinas Regeln für KI-Begleiter?
Seit dem 15. Juli 2026. Erlassen wurden sie von Chinas Cyberspace-Behörde gemeinsam mit weiteren Regierungsstellen.
Sind KI-Partner in China jetzt verboten?
Nicht generell. Erwachsene dürfen sie weiter nutzen, müssen aber alle zwei Stunden einen Hinweis erhalten; für Nutzende unter 18 Jahren sind virtuelle Liebesbeziehungen untersagt.
Welche Apps und Dienste sind betroffen?
Alibaba, ByteDance und Tencent haben bei ihren Chatbots die Begleiter-Anpassung gestrichen, Companion-Apps wie Cat Box führten Alterskontrollen ein. Kundenservice-Bots, Arbeitsassistenten und Bildungs-KI sind ausgenommen.