30 neue Klagen gegen OpenAI nach Amoklauf in Kanada
Erstmals lautet der Vorwurf nicht nur Fahrlässigkeit, sondern Beihilfe: Beschäftigte hätten die Warnsignale im Chat erkannt, die Polizei aber nie alarmiert.
Symbolbild: In einem Kanzleiraum schiebt eine Person gebundene Schriftsätze über den Tisch, während Monitore abstrakt markierte Textblöcke zeigen.
OpenAI und Firmenchef Sam Altman sehen sich 30 neuen Klagen gegenüber, die dem Unternehmen erstmals nicht nur Fahrlässigkeit, sondern aktive Beihilfe zum Amoklauf von Tumbler Ridge vorwerfen.
Auf einen Blick
- 30 neue Klagen, eingereicht in der ersten Septemberwoche 2026 an einem Bundesgericht in Kalifornien; im April 2026 waren es sieben.
- Kläger sind Lehrkräfte, Schulleitungen sowie Schülerinnen und Schüler, die den Angriff erlebten, aber körperlich unverletzt blieben.
- Der Angriff auf die Tumbler Ridge Secondary School ereignete sich am 10. Februar 2026; acht Menschen starben.
- Die Schriftsätze nennen Chris Lehane namentlich; OpenAI weist dessen Beteiligung an der Meldeentscheidung zurück.
- Hinter den Verfahren steht die Kanzlei Edelson PC, die Fälle führt Jay Edelson.
OpenAI und Firmenchef Sam Altman sind mit 30 weiteren Zivilklagen konfrontiert. Sie stammen von Menschen, die den Angriff auf die Tumbler Ridge Secondary School am 10. Februar 2026 miterlebt haben. Neu ist nicht die Zahl der Verfahren, sondern der Vorwurf: Beihilfe statt bloßer Fahrlässigkeit.
Was die Kläger vortragen
Eingereicht wurden die Schriftsätze in der ersten Septemberwoche 2026 an einem Bundesgericht in Kalifornien. Dieselbe Kanzlei hatte im April 2026 bereits sieben Verfahren angestrengt. Zu den neuen Klägerinnen und Klägern zählen Lehrkräfte, Schulleitungen sowie Schülerinnen und Schüler, die vor Ort waren, aber keine körperlichen Verletzungen davontrugen.
Bei dem Angriff starben acht Menschen, darunter die Mutter und der Halbbruder des Täters. Dutzende wurden verletzt. Der Täter nahm sich anschließend das Leben.
Der Kern des Vorwurfs
Hinter den Verfahren steht die Kanzlei Edelson PC, die Fälle führt Jay Edelson. Nach Darstellung der Klageschriften markierten Beschäftigte von OpenAI intern Chat-Verläufe des späteren Täters, in denen es um Waffengewalt ging. Das Konto wurde deaktiviert, kurz darauf legte der Nutzer ein neues an. Eine Meldung an die Behörden unterblieb.
Erstmals nennen die Schriftsätze Chris Lehane namentlich, den Kommunikations- und Policy-Verantwortlichen des Unternehmens. Er soll angewiesen haben, von einer Einschaltung der Behörden abzusehen. Die Kläger führen seine Herkunft aus der politischen Krisenkommunikation an und leiten daraus eine Unternehmenskultur ab, die Schadensbegrenzung über Sicherheit stelle.
OpenAI widerspricht deutlich: Es sei „absolut falsch“, Lehane mit der ursprünglichen Meldeentscheidung in Verbindung zu bringen. Chefstratege Jason Kwon verwies darauf, dass solche Abwägungen nicht unfehlbar seien, aber stets am Schutz der Menschen ausgerichtet würden.
Warum „Beihilfe“ juristisch schwerer wiegt
Fahrlässigkeit unterstellt ein Versäumnis. Beihilfe unterstellt Kenntnis und einen eigenen Beitrag. Damit verschiebt sich die Beweisfrage von „Hätte das Unternehmen es wissen müssen?“ zu „Was wusste es, und was tat es dann?“ Ob ein Gericht dieser Konstruktion folgt, ist offen — entschieden ist bislang keines der Verfahren.
Was noch offen ist
Zum genauen Einreichungstag weichen die vorliegenden Berichte voneinander ab; genannt werden der Dienstag und der Mittwoch derselben Woche. Welche Schadenssummen die Kläger fordern und wann das Gericht erstmals inhaltlich entscheidet, geht aus den ausgewerteten Berichten ebenfalls nicht hervor.
Häufige Fragen
Wie viele Klagen laufen wegen Tumbler Ridge gegen OpenAI?
30 neue Klagen aus der ersten Septemberwoche 2026, zusätzlich zu sieben Klagen derselben Kanzlei vom April 2026.
Was bedeutet der Vorwurf der Beihilfe in diesen Klagen?
Er geht über Fahrlässigkeit hinaus: Die Kläger behaupten, OpenAI habe die Warnsignale gekannt und dennoch nichts an die Behörden gemeldet.
Wie reagiert OpenAI auf die Vorwürfe?
Das Unternehmen nennt die Darstellung zu Chris Lehane absolut falsch; Chefstratege Jason Kwon verteidigt die internen Abwägungen als nicht unfehlbar, aber am Schutz der Menschen orientiert.