Streit ums Anthropic-Geld: Verlage melden fremde Rechte an
Beim 1,5-Milliarden-Vergleich melden Verlage und Agenturen Anteile an Werken an, deren Rechte längst bei den Autorinnen und Autoren liegen.
Symbolbild: An einem Rechte-Schreibtisch scannt eine Person ein aufgeschlagenes Buch, daneben stapeln sich unbeschriftete Ordner.
Autorinnen und Autoren wehren sich, weil Verlage und Literaturagenturen bei der Auszahlung des 1,5-Milliarden-Dollar-Vergleichs von Anthropic Anteile an Titeln beanspruchen, die ihnen nach den Vergleichsregeln nicht zustehen.
Auf einen Blick
- Vergleichssumme: 1,5 Milliarden US-Dollar, rund 3.000 US-Dollar je raubkopiertem Titel.
- Betroffen sind knapp 500.000 Werke; die endgültige Genehmigung erfolgte im Juli 2026.
- Lieferbare Titel bei Publikumsverlagen: 50:50 zwischen Autor und Verlag, sonst 100 Prozent für den Autor.
- Stichtag für zurückgefallene Rechte ist der 10.08.2022, das Download-Datum des Vergleichs.
- Autorin April Henry meldet, HarperCollins habe einen Titel beansprucht, dessen Rechte vor mindestens 17 Jahren zurückfielen.
Autorinnen und Autoren wehren sich, weil Verlage und Literaturagenturen bei der Auszahlung des 1,5-Milliarden-Dollar-Vergleichs von Anthropic Anteile an Titeln beanspruchen, die ihnen nach den Vergleichsregeln nicht zustehen. Es geht um Bücher, deren Rechte längst an die Urheber zurückgefallen sind, und um Agenturen, die eine Provision auf eine Schadensersatzzahlung verlangen.
Worum der Vergleich überhaupt geht
Anthropic hatte sich auf eine Zahlung von 1,5 Milliarden US-Dollar geeinigt, nachdem ein Gericht die Linie gezogen hatte: Das Training eines Modells mit urheberrechtlich geschütztem Material fällt unter Fair Use, das Beschaffen dieses Materials aus Raubkopien nicht. Betroffen sind knapp 500.000 Titel, für die je rund 3.000 US-Dollar vorgesehen sind. Die endgültige Genehmigung fiel im Juli 2026.
Die Aufteilungsregel und wo sie kippt
Der Vergleich unterscheidet zwei Fälle. Ist ein Buch lieferbar und liegt bei einem Publikumsverlag, teilen sich Autor und Verlag die Summe 50:50. Ist der Titel im Selbstverlag erschienen oder sind die Rechte an die Autorin zurückgefallen, gehen 100 Prozent an sie. Maßgeblich ist der 10.08.2022, das im Vergleich festgelegte Download-Datum.
Genau an diesem Punkt häufen sich die Beschwerden. Victoria Strauss, die im Blog „Writer Beware“ solche Fälle sammelt, unterscheidet zwei Fehlermuster: Verlage melden Rechte an, die sie nicht mehr halten, oder fordern 100 Prozent, wo ihnen 50 Prozent zustehen. Die Zahl der Meldungen sei ungewöhnlich hoch, was eher auf ein systemisches als auf ein Einzelfallproblem hindeute.
Ein Titel, 17 Jahre zurück
Die Krimiautorin April Henry berichtete, HarperCollins habe einen Anspruch auf ein Buch angemeldet, dessen Rechte vor mindestens 17 Jahren an sie zurückgefallen seien. Mary Rasenberger, Chefin der Authors Guild, sieht darin gegenüber der New York Times keinen Griff der Verlage nach fremdem Geld, sondern schlechte Aktenführung. Welche Deutung trägt, lässt sich von außen nicht entscheiden: Belastbare Zahlen zur Fehlerquote liegen bislang nicht vor.
Dürfen Agenturen mitverdienen?
Umstritten ist zusätzlich, ob Literaturagenturen ihre übliche Provision auf die Vergleichszahlung erheben dürfen. Die Autorin und frühere Juraprofessorin Courtney Milan hält das für unzulässig, weil Agenturen keine Rechteinhaber seien. Eine gerichtliche Klärung dieser Frage ist bisher nicht bekannt.
Was das für die Auszahlung heißt
Für Betroffene läuft es auf Aktenarbeit hinaus: Rückrufschreiben, Vertragsstand und Lieferbarkeit zum Stichtag entscheiden über die Quote. Wer widerspricht, muss den Rechterückfall belegen können. Dieser Bericht stützt sich auf eine einzelne Quelle; Angaben zu Einspruchsfristen und zur Zahl strittiger Anmeldungen sind daraus nicht zu entnehmen.
Häufige Fragen
Wie viel Geld bekommt eine Autorin pro Buch aus dem Anthropic-Vergleich?
Vorgesehen sind rund 3.000 US-Dollar je betroffenem Titel. Ist das Buch lieferbar und liegt bei einem Publikumsverlag, teilen sich Autor und Verlag diese Summe 50:50, sonst gehen 100 Prozent an die Autorin.
Was bedeutet das Datum 10.08.2022 im Vergleich?
Es ist das im Vergleich festgelegte Download-Datum. Ob die Rechte an einem Titel zu diesem Stichtag beim Verlag oder bereits wieder bei der Autorin lagen, entscheidet über die Aufteilung der Zahlung.
Darf meine Literaturagentur eine Provision auf die Zahlung nehmen?
Das ist strittig. Courtney Milan argumentiert, Agenturen seien keine Rechteinhaber und dürften deshalb keinen Anteil verlangen. Eine gerichtliche Entscheidung dazu ist nicht bekannt.