Bosch fertigt ab 2027 humanoide Roboter in Bühl — an einem Standort, der 1.100 Stellen verliert
Entwickelt werden die Maschinen vom Londoner Start-up Humanoid, Bosch ist Auftragsfertiger. Erster Kunde ist Schaeffler. Die Roboter sollen vermietet statt verkauft werden.

Symbolbild · KI-generiert (AI IN LIFE)
Auf einen Blick
- Produktionsstart: August 2027 im Bosch-Werk Bühl, Baden-Württemberg
- Partner: Londoner Start-up Humanoid (Entwicklung), Bosch als Auftragsfertiger
- Stückzahl 2027: einige hundert Einheiten, zunächst zweistellige Zahl an Beschäftigten
- Erster Kunde und zugleich Investor: Schaeffler; Modellgeneration "Gamma", Prototypen der Reihe HMND-01 getestet
- Standort Bühl: rund 2.700 Beschäftigte heute, 1.100 Stellen sollen bis 2030 wegfallen
Bosch beginnt im August 2027 im badischen Bühl mit der Serienfertigung humanoider Roboter. Es ist das erste Mal, dass der Konzern derartige Maschinen baut. Entwickelt werden sie nicht von Bosch selbst, sondern vom Londoner Start-up Humanoid; Bosch übernimmt die Rolle des Auftragsfertigers und prüft zusätzlich, Antriebe, Motoren und Sensoren zuzuliefern.
Für das erste Jahr sind einige hundert Einheiten geplant, zunächst mit einer zweistelligen Zahl an Beschäftigten. In Produktion geht die Generation "Gamma"; Prototypen der Baureihe HMND-01 haben ihre Tests bereits abgeschlossen. Erprobt wurde unter anderem, ob die Roboter in der Werkslogistik selbstständig Kisten bewegen können — gesteuert über das KI-Rahmenwerk KinetIQ.
Erster Kunde ist der fränkische Zulieferer Schaeffler, der zugleich als Investor auftritt und die Maschinen in der eigenen Fertigung einsetzen will. Bemerkenswert ist das Geschäftsmodell: Humanoid will die Roboter nicht verkaufen, sondern vermieten — "Robotics as a Service". Für Abnehmer verschiebt das die Investition von einer einmaligen Anschaffung zu laufenden Kosten und verlagert das Risiko veralteter Hardware zurück zum Anbieter.
Die Wahl des Standorts trägt eine zweite Geschichte in sich. In Bühl arbeiten heute rund 2.700 Menschen; bis 2030 sollen dort 1.100 Stellen wegfallen. Derselbe Standort, an dem Beschäftigung abgebaut wird, soll nun zum Pilotwerk für ein neues Geschäftsfeld werden. Das ist kein Zufall, sondern der übliche Weg der Industrie: Freiwerdende Flächen, vorhandene Fertigungstiefe und eingearbeitete Belegschaften sind der günstigste Einstieg in eine neue Produktlinie.
Ob daraus ein tragfähiges Geschäft wird, ist offen. Einige hundert Einheiten im ersten Jahr sind Vorserienmaßstab, keine Massenfertigung. Die eigentliche Frage ist, ob humanoide Roboter in Fabrik und Logistik wirtschaftlich mit spezialisierten, seit Jahrzehnten bewährten Automatisierungslösungen mithalten können — ein Portalroboter, der nur Kisten stapelt, ist dabei fast immer billiger.
Das Argument für die menschenähnliche Bauform ist ein anderes: Sie passt in Umgebungen, die für Menschen gebaut wurden, ohne dass die Umgebung umgebaut werden muss. Wie tragfähig dieses Versprechen ist, zeigt sich erst im Dauerbetrieb. Wie schnell sich die Hardware entwickelt, war zuletzt bei den Weltspielen der humanoiden Roboter in Peking zu besichtigen — dort allerdings unter Laborbedingungen auf ebener Bahn.
Häufige Fragen
Baut Bosch damit eigene Roboter?
Nein. Bosch fertigt im Auftrag; die Entwicklung liegt beim Start-up Humanoid. Zusätzlich prüft Bosch, Komponenten wie Antriebe, Motoren und Sensoren beizusteuern. Das ist eine Fertigungs- und Zulieferrolle, keine eigene Produktlinie.
Was bedeutet "Robotics as a Service"?
Die Roboter werden nicht gekauft, sondern gemietet. Der Kunde zahlt laufend statt einmalig, der Anbieter bleibt Eigentümer und trägt das Risiko, dass die Hardware technisch veraltet. Für Unternehmen senkt das die Einstiegshürde, bindet sie aber langfristig an den Anbieter.
Ersetzen die Roboter die 1.100 wegfallenden Stellen?
Danach sieht es nicht aus. Der Stellenabbau in Bühl ist unabhängig beschlossen, und die neue Fertigung startet zunächst mit einer zweistelligen Zahl an Beschäftigten. Größenordnungen von 1.100 Arbeitsplätzen werden damit nicht erreicht.


