Ein Roboter läuft die 100 Meter in 9,39 Sekunden — schneller als Bolts Weltrekord
Zum Auftakt der Weltspiele der humanoiden Roboter in Peking fiel eine Zahl, die bisher als menschliche Grenze galt. Der Vergleich hinkt — und ist trotzdem eine Zäsur.

Symbolbild · KI-generiert (AI IN LIFE)
Auf einen Blick
- 100-Meter-Ergebnis bei den Spielen: 9,39 Sekunden
- Menschlicher Weltrekord: 9,58 Sekunden (Usain Bolt, 2009)
- Bestzeit im Vorlauf: 9,32 Sekunden durch eine Maschine des Herstellers Honor, Spitzengeschwindigkeit 14,5 m/s
- Auch im Hochsprung wurde eine menschliche Bestmarke unterboten
- Umfang: fünf Tage, 51 Disziplinen, über 1.000 Einzelwettbewerbe in Peking, Auftakt am 22. August 2026
Am Samstag haben in Peking die World Humanoid Robot Games begonnen, ein olympisch aufgezogener Wettbewerb für zweibeinige Maschinen. Über die 100 Meter blieb die Uhr bei 9,39 Sekunden stehen. Usain Bolts Weltrekord aus dem Jahr 2009 liegt bei 9,58 Sekunden.
In einem Vorlauf war eine Maschine des chinesischen Handyherstellers Honor noch schneller: 9,32 Sekunden, bei einer Spitzengeschwindigkeit von 14,5 Metern pro Sekunde. Auch im Hochsprung fiel eine menschliche Bestmarke. Die Spiele laufen fünf Tage, mit 51 Disziplinen und über 1.000 einzelnen Wettbewerben — von Leichtathletik über Tischtennis bis Fußball.
Der Vergleich mit Bolt ist streng genommen unfair, und zwar in beide Richtungen. Ein Roboter startet nicht aus dem Block auf ein akustisches Signal, hat keine Reaktionszeit im menschlichen Sinne, und er tritt unter Wettkampfbedingungen an, die ein Leichtathletikverband nie zertifizieren würde. Umgekehrt trägt er sein gesamtes Energiesystem mit sich und muss auf zwei Beinen balancieren, ohne über Jahre antrainierte Propriozeption.
Interessant ist deshalb nicht die Zahl selbst, sondern was sie über den Reifegrad der Hardware sagt. Schnelles zweibeiniges Laufen ist eines der härtesten Probleme der Robotik: Der Schwerpunkt liegt hoch, die Kontaktzeiten sind extrem kurz, und jeder Schritt ist ein kontrollierter Sturz nach vorn. Eine Maschine, die das über 100 Meter durchhält, beherrscht Regelungstechnik, Aktorik und Energiedichte gleichzeitig.
Genau darin liegt der industrielle Kern des Spektakels. China nutzt die Spiele als Schaufenster für eine Branche, die es zur strategischen Priorität erklärt hat. Was auf der Bahn wie Sport aussieht, ist eine öffentliche Belastungsprobe für Antriebe, Gelenke und Batterien — Komponenten, die später in Lagerhallen und Fertigungslinien landen sollen.
Für die Einordnung bleibt trotzdem wichtig: Ein Sprint ist eine hochspezialisierte, im Voraus bekannte Aufgabe auf ebener Bahn. Die offenen Probleme der Robotik liegen woanders — im Greifen unbekannter Objekte, im Umgang mit unstrukturierter Umgebung, in der Ausdauer jenseits weniger Minuten. Die 9,39 Sekunden sind ein echter Fortschritt. Ein Hinweis darauf, dass humanoide Roboter allgemein einsatzbereit wären, sind sie nicht.
Häufige Fragen
Ist das jetzt ein offizieller Weltrekord?
Nein. Die Zeit wurde bei einem Roboterwettbewerb erzielt, nicht unter den Regeln eines Leichtathletikverbands. Sie ist ein Vergleichswert, keine anerkannte Bestmarke.
Warum ist schnelles Laufen für Roboter so schwierig?
Zweibeiniges Rennen ist eine Kette kontrollierter Stürze: hoher Schwerpunkt, sehr kurze Bodenkontakte, ständige Balancekorrektur. Es verlangt Regelungstechnik, kräftige Aktoren und hohe Energiedichte gleichzeitig.
Heißt das, humanoide Roboter sind einsatzreif?
Nicht daraus ableitbar. Ein Sprint ist eine bekannte Aufgabe auf ebener Bahn. Ungelöst bleiben das Greifen unbekannter Objekte, unstrukturierte Umgebungen und Ausdauer über längere Zeiträume.
Quellen
- The Washington Post: Chinese humanoid robots smash human records in 100m sprint and high jump at Beijing robot games
- NBC News: Move over, Usain Bolt: Humanoid robots smash human records at Beijing games
- ESPN: Humanoid robots surpass human records in 100m, high jump
- heise online: Roboter-Weltmeisterschaft in Peking — Neue Bestzeiten im Sprint


