OpenAI: 30 neue Klagen nach Amoklauf in Tumbler Ridge
Die Kanzlei Edelson PC wirft OpenAI und Sam Altman erstmals Beihilfe vor – nicht mehr nur Fahrlässigkeit. Kläger sind Lehrkräfte und Schüler.
Symbolbild: An einem Gerichtsschalter werden gebundene Klageschriften gestempelt, während ein Scanner die Seiten einzieht und ein Wandmonitor ein abstraktes Ablaufdiagramm zeigt.
OpenAI und CEO Sam Altman sehen sich 30 neuen Klagen zum Schulamoklauf von Tumbler Ridge gegenüber, die dem Unternehmen erstmals Beihilfe zur Tat vorwerfen.
Auf einen Blick
- 30 neue Klagen, eingereicht am Mittwoch bei einem Bundesgericht in Kalifornien; im April 2026 waren es sieben.
- Beklagte sind OpenAI und CEO Sam Altman. Eingereicht hat die US-Kanzlei Edelson PC.
- Anschlag am 10. Februar 2026 an der Tumbler Ridge Secondary School in British Columbia; neun Menschen starben.
- Neu unter den Klägern: Lehrkräfte, eine Schulleitung und Schüler, die anwesend, aber nicht getroffen wurden.
- Der Vorwurf Beihilfe verlangt den Nachweis von Vorsatz – eine deutlich höhere Hürde als Fahrlässigkeit.
OpenAI und Firmenchef Sam Altman sind mit 30 weiteren Klagen konfrontiert, die den Schulamoklauf von Tumbler Ridge betreffen. Eingereicht wurden sie am Mittwoch bei einem Bundesgericht in Kalifornien. Neu ist die juristische Stoßrichtung: Die Klagen sprechen von „substanzieller Unterstützung und Ermutigung“ – also von Beihilfe, nicht mehr nur von Fahrlässigkeit.
Was die Klagen behaupten
Hinter den Verfahren steht die US-Kanzlei Edelson PC, die im April 2026 bereits sieben Klagen zu demselben Fall angestrengt hatte. Zusammen sind es damit 37. Beklagt sind OpenAI als Unternehmen und Altman persönlich.
Kern des Vorwurfs ist der interne Umgang mit einem Warnsignal. Laut den Schriftsätzen hatten Beschäftigte Chatverläufe der tatverdächtigen Person zu Waffengewalt und Anschlagsplanung markiert und darauf gedrängt, kanadische Behörden zu informieren. Die Führungsebene entschied sich dagegen; das Konto wurde gesperrt, kurz darauf entstand ein neues. Intern habe die Schwelle eines „unmittelbaren und glaubhaften Risikos“ als nicht erreicht gegolten.
Der Fall Tumbler Ridge
Der Angriff ereignete sich am 10. Februar 2026 an der Tumbler Ridge Secondary School in British Columbia. Neun Menschen starben, Dutzende weitere wurden verletzt. Als tatverdächtig gilt Jesse Van Rootselaar, damals im Jugendalter.
Der Kreis der Kläger ist diesmal breiter. Neben Hinterbliebenen treten Lehrkräfte, eine Schulleitung sowie Schülerinnen und Schüler auf, die vor Ort waren, aber nicht von Schüssen getroffen wurden.
Warum „Beihilfe“ die Hürde erhöht
Fahrlässigkeit lässt sich über ein Versäumnis begründen. Beihilfe verlangt mehr: Die Kläger müssten Vorsatz auf Seiten von OpenAI nachweisen. Das ist die anspruchsvollere Konstruktion – sie eröffnet im Erfolgsfall aber auch weitergehende Haftungsfolgen.
Die Position von OpenAI
Jason Kwon, Chief Strategy Officer des Unternehmens, verteidigte die Abwägung zwischen Schutz und Privatsphäre der Nutzer: Dieses Urteil sei „nicht unfehlbar“, orientiere sich aber stets an genau dieser Balance. Kwon wies zudem zurück, dass Chris Lehane, zuständig für globale Politik, an der ursprünglichen Entscheidung beteiligt gewesen sei; das sei „absolut falsch“.
Lehane wird in den Schriftsätzen genannt, ist aber nicht Beklagter. Die Behauptung, er habe Beschäftigte zum Zurückziehen angewiesen, stützt sich ausdrücklich auf „Information und Annahme“ – einen direkten Beleg führen die Klagen nicht an.
Was noch offen ist
Sämtliche Angaben stammen bislang aus Klageschriften und Berichterstattung; gerichtlich geprüft ist nichts davon. Unklar bleibt, welche ChatGPT-Version konkret betroffen war und welche Sicherheitsänderungen OpenAI seit Februar vorgenommen hat. Auch eine förmliche Erwiderung des Unternehmens auf die 30 neuen Klagen liegt noch nicht vor.
Häufige Fragen
Wie viele Klagen laufen gegen OpenAI wegen Tumbler Ridge?
Zu den 30 neuen Klagen vom Mittwoch kommen sieben Klagen aus dem April 2026 – insgesamt 37 Verfahren, alle von der Kanzlei Edelson PC.
Was bedeutet der Vorwurf der Beihilfe für OpenAI?
Er ist schwerer zu beweisen als Fahrlässigkeit, weil die Kläger Vorsatz nachweisen müssen. Gelingt das, drohen weitergehende Haftungsfolgen.
Was ist beim Amoklauf in Tumbler Ridge passiert?
Am 10. Februar 2026 wurden an der Tumbler Ridge Secondary School in British Columbia neun Menschen getötet und Dutzende verletzt.