Taiwan klagt neun an: Nvidia-B300-Server nach China
130 High-End-KI-Server sollten illegal nach China gelangen. Unter den Angeklagten: ein Nvidia-Manager und zwei Supermicro-Mitarbeiter aus Taiwan.

Symbolbild · KI-generiert (AI IN LIFE)
Auf einen Blick
- Neun Angeklagte, darunter ein Nvidia-Taiwan-Manager und zwei Supermicro-Mitarbeiter
- 130 bestellte B300-Server; 74 nach China geliefert, 56 vom Zoll gestoppt
- Routen: direkt nach China sowie über Indonesien, Japan und Hongkong
- Rund 21 Millionen US-Dollar Gewinn allein aus den ersten Lieferungen
- Vorwürfe: Untreue und Urkundenfälschung; mehrjährige Haftstrafen möglich
Die Staatsanwaltschaft in Taiwan hat neun Personen angeklagt, weil sie 130 Nvidia-B300-Server unter Umgehung der Exportkontrollen nach China geschleust haben sollen. Unter den Beschuldigten sind ein Vertriebsmanager von Nvidia Taiwan und zwei Mitarbeiter der Taiwan-Tochter des Serverherstellers Supermicro. Die Anklage wurde am 25. August 2026 bekannt.
Nach Darstellung der Ermittler lief das Schema über die Handelsfirma Flying Tiger Tech, die sich über einen Distributor Whitelist-Status verschaffte und gegenüber Prüfern behauptete, die Server blieben in Taiwan. Tatsächlich gingen 74 Maschinen an chinesische Abnehmer — teils direkt, teils über Umwege via Indonesien, Japan und Hongkong. Weitere 56 Server stoppte der taiwanische Zoll.
Die Staatsanwälte werfen den Beteiligten vor, sie hätten "auf verschiedenen Ebenen für enormen Profit zusammengewirkt, illegal High-End-Server exportiert, die Compliance-Kosten der Unternehmen erhöht und das internationale Ansehen unseres Landes schwer beschädigt", heißt es laut Taipei Times in der Anklageschrift.
Allein die ersten Lieferungen sollen laut Tom's Hardware gut 21 Millionen US-Dollar Gewinn gebracht haben. Den Angeklagten drohen mehrjährige Haftstrafen; acht von ihnen sind wegen Untreue und Urkundenfälschung angeklagt.
Der Fall zeigt, wie stark der Graumarkt für KI-Beschleuniger unter den US-Exportkontrollen gewachsen ist — und dass die Lieferkette selbst zur Schwachstelle wird, wenn Insider bei Herstellern und Distributoren mitspielen. Für Nvidia und Supermicro kommt die Anklage zur Unzeit: Beide betonen seit Jahren ihre strengen Kontrollprozesse.
Häufige Fragen
Wer wurde in Taiwan angeklagt?
Neun Personen, darunter ein Vertriebsmanager von Nvidia Taiwan, zwei Mitarbeiter von Supermicro Taiwan sowie Verantwortliche der Handelsfirma Flying Tiger Tech und weiterer beteiligter Firmen.
Wie kamen die Server nach China?
Über gefälschte Endabnehmer-Dokumente: Offiziell sollten die Server in Taiwan bleiben, tatsächlich gingen 74 Stück direkt oder über Indonesien, Japan und Hongkong an chinesische Kunden. 56 weitere stoppte der Zoll.
Warum ist der Fall international relevant?
Er belegt, dass US-Exportkontrollen für KI-Chips systematisch über Drittländer umgangen werden — und dass dabei Insider bei Herstellern und Distributoren eine Schlüsselrolle spielen können.


