China: Exportkontrolle für offene KI-Modelle geplant
Ein Entwurf von Handels- und Wissenschaftsministerium stellt 23 KI-Technologien unter Exportvorbehalt. Open-Source-Releases erhalten eine Schnellspur.
Kurz gesagt
China will offene KI-Modelle nicht verbieten, sondern genehmigungspflichtig machen: Ab 10^26 FLOPs, 2 Billionen Parametern oder einem Top-10-Platz greift der Exportvorbehalt — offene Veröffentlichungen werden aber automatisch lizenziert.
Auf einen Blick
- Entwurf von Handelsministerium (Mofcom) und Wissenschaftsministerium, vorgelegt am 16.10.2026.
- Schwellen: 10^26 FLOPs Trainingsrechenleistung, 2 Billionen Parameter oder ein Platz unter den globalen Top 10.
- Open Source als Schnellspur: Wer Gewichte offen veröffentlicht und registriert, erhält eine automatische Lizenz.
- Frei bleiben API-Zugriffe, Apps, Websites und SaaS; Installation auf eigenen Servern im Ausland braucht eine Lizenz.
- Trainingsdaten: bis zu 0,1 % bereinigter wichtiger Daten erlaubt, wenn sie nicht in den Ausgaben auftauchen.
China will offene KI-Modelle nicht aus dem Netz nehmen, sondern ihren Export an eine Genehmigung binden. Ein am 16.10.2026 vorgelegter Entwurf von Handelsministerium (Mofcom) und Wissenschaftsministerium nimmt 23 KI-Technologien in die Liste der verbotenen und beschränkten Exportgüter auf. Wer Gewichte als Open Source veröffentlicht und registriert, bekommt die Lizenz laut Entwurf automatisch.
Welche Modelle erfasst werden
Der Entwurf zieht drei Grenzen. Erfasst sind Modelle ab 10^26 FLOPs Trainingsrechenleistung, Modelle ab 2 Billionen Parametern und Modelle, die bei großen Evaluatoren unter den globalen Top 10 landen. Für die Top-10-Einordnung sollen öffentliche Ranglisten in- und ausländischer Prüfstellen und Branchenplattformen herangezogen werden — nach Gesamtleistung, Einzelaufgaben, Sicherheit oder weltweiter Nutzung.
Neben Frontier-Modellen nennt der Entwurf KI-Agenten, Werkzeuge zum Auffinden von Sicherheitslücken, autonome Schadsoftware sowie Rechencluster und Systeme zur Datenverarbeitung. Auch Trainingsdaten sind adressiert: Modelle, die mit Chinas wichtigen Daten trainiert wurden, fallen unter die Kontrolle. Bis zu 0,1 % bereinigter Daten bleiben erlaubt, sofern sie nicht in den Ausgaben auftauchen und die Forschungsfähigkeit nicht wesentlich steigern.
Open Source bleibt die Schnellspur
Der Entwurf behandelt offene Veröffentlichung nicht als Umgehung, sondern als eigenen Pfad: Registrierung genügt, die Lizenz gilt als automatisch erteilt. Ausgenommen bleibt außerdem alles, was ohnehin öffentlich ist — bereits offen veröffentlichte Technik und Forschungsarbeiten. Nutzung über API, Apps, Websites und SaaS sowie abgespeckte Varianten für lokale Geräte sind ebenfalls nicht betroffen. Erst die Installation beschränkter Technik auf eigenen Servern im Ausland braucht eine reguläre Exportlizenz.
Dean W. Ball, bei OpenAI für strategische Zukunftsfragen zuständig, liest darin weniger ein Verbot als eine Vorbereitung.
Der Schritt bedeute nicht, dass China offene Gewichte abschalte — er verschaffe dem Staat aber die „optionality to shut down future open-weight models at will", so Ball.
Warum der Hebel so schwer wiegt
Chinas offene Modelle sind derzeit das Angebot, auf das viele Entwickler außerhalb der USA zurückgreifen. Rest of World berichtet, dass chinesische Modelle in Benchmarks nur rund 3 % hinter den US-Spitzenmodellen liegen und 50 bis 90 % günstiger sind als die führenden amerikanischen Frontier-Modelle. Auf der Rangliste von OpenRouter stehen Modelle von DeepSeek, Z.ai, Xiaomi und Tencent vorn.
Graham Webster vom DigiChina-Projekt in Stanford formuliert die Abhängigkeit knapp: Wer nahe an der Spitzenleistung arbeiten müsse, komme aktuell nur über chinesische offene Modelle dorthin. Xi Jinping hat offene Modelle als Baustein für die angestrebte globale KI-Führung bis 2030 bezeichnet. Moonshot AI verhandelt laut Rest of World mit Microsoft, Amazon und Google über Umsatzbeteiligungen für sein Modell Kimi K3.
Was offen bleibt
Der Text ist ein Entwurf, kein geltendes Recht. In den vorliegenden Berichten findet sich kein Datum für das Inkrafttreten, keine Frist für eine Konsultation und kein offizieller Name der geänderten Güterliste. Bis die endgültigen Regeln greifen, sollen betroffene Exporte über das Portal des Handelsministeriums angemeldet werden. Welche chinesischen Anbieter konkret unter die Schwellen fallen, benennen die Berichte nicht — das bleibt bis zur Endfassung unbestätigt.
Häufige Fragen
Verbietet China offene KI-Modelle?
Nein. Der Entwurf macht den Export genehmigungspflichtig, erteilt offenen Veröffentlichungen aber nach Registrierung automatisch eine Lizenz.
Welche Modelle fallen unter die Exportkontrolle?
Modelle ab 10^26 FLOPs Trainingsrechenleistung, ab 2 Billionen Parametern oder mit einem Platz unter den globalen Top 10 bei großen Evaluatoren.
Ab wann gilt die neue Regel?
Das ist offen. Es handelt sich um einen Entwurf ohne genanntes Inkrafttreten; bis dahin sollen betroffene Exporte über das Mofcom-Portal angemeldet werden.