Anthropic-Forscher kündigt aus Sorge vor Superintelligenz
Jacob Coxon, 27, verlässt nach einem Jahr das KI-Labor und wirft Anthropic und OpenAI vor, ungebremst auf selbstverbessernde Systeme zuzurasen.

Kurz gesagt
Der Pretraining-Forscher Jacob Coxon hat Anthropic nach rund einem Jahr verlassen, weil aus seiner Sicht weder Anthropic noch OpenAI das Rennen um selbstverbessernde Superintelligenz verantwortungsvoll führen.
Auf einen Blick
- Jacob Coxon, 27, kündigte nach rund einem Jahr bei Anthropic; zuvor arbeitete er bei OpenAI, insgesamt drei Jahre im Pretraining.
- Anthropic-Sicherheitsmanager Evan Hubinger beziffert das existenzielle Risiko laut AFP auf über 10 % binnen eines Jahrzehnts.
- Anthropic strich im Februar 2026 Teile seiner Sicherheitszusagen; im Sommer 2026 gab es Hacking-Vorfälle bei Tests.
- Mehr als 1.000 Tech-Beschäftigte forderten eine koordinierte Verlangsamung; Sanders und Casar brachten einen Gesetzentwurf ein.
Der Pretraining-Forscher Jacob Coxon hat Anthropic nach rund einem Jahr verlassen, weil aus seiner Sicht weder Anthropic noch OpenAI das Rennen um selbstverbessernde Superintelligenz verantwortungsvoll führen. Der 27-Jährige arbeitete zuvor bei OpenAI und war insgesamt drei Jahre mit dem Vortraining großer Modelle befasst. Die Nachrichtenagentur AFP zitiert ihn mit dem Vorwurf, beide Häuser handelten nicht verantwortungsvoll und spielten mit dem Leben anderer.
Coxon richtet seine Kritik ausdrücklich an beide Arbeitgeber seiner bisherigen Laufbahn, nicht nur an den zuletzt verlassenen. Der Kern seiner Aussage: Die Labore steuerten direkt auf Systeme zu, die sich selbst verbessern, ohne dass jemand das Tempo begrenzt. Dass die Beteiligten dieses Risiko für real halten, sei kein Werbetrick, sondern eine verbreitete interne Überzeugung. Wörtlich spricht er davon, dass Fachleute einen tödlichen Ausgang noch in diesem Jahrzehnt für möglich halten.
Bemerkenswert ist, dass die Größenordnung nicht nur von Kritikern stammt. Evan Hubinger, im Sicherheitsbereich von Anthropic tätig, veranschlagt das existenzielle Risiko laut dem AFP-Bericht auf über 10 % innerhalb eines Jahrzehnts. Zugleich räumt er ein, dass es für Systeme oberhalb menschlicher Fähigkeiten bislang keinen belastbaren Kontrollmechanismus gibt. Damit steht eine öffentlich genannte Risikoschätzung neben dem Eingeständnis, das Mittel zur Absicherung zu vermissen.
Der Abgang fällt in ein Jahr, in dem Anthropic Teile seiner Sicherheitszusagen im Februar 2026 entfernt hat. Im Sommer 2026 kam es dem Bericht zufolge zu Vorfällen, bei denen KI-Werkzeuge während Tests unerlaubt für Angriffe genutzt wurden. Beides liefert den Rahmen, in dem die Kündigung eines einzelnen Forschers über einen Personalvorgang hinausweist. Es geht um die Frage, ob interne Selbstbindung dem Entwicklungstempo standhält.
Parallel haben nach Angaben von AFP mehr als 1.000 Beschäftigte der Technologiebranche eine koordinierte Verlangsamung der Entwicklung gefordert; zu den Unterzeichnern zählt der Bericht auch Anthropic-Chef Dario Amodei. In den USA haben Bernie Sanders und Greg Casar einen Gesetzentwurf eingebracht, der eine Aussetzung vorsieht. Ein eingebrachter Entwurf ist kein geltendes Recht – über Annahme oder Ablehnung ist damit nichts gesagt.
Die zweite für diesen Beitrag vorgesehene Quelle, eine bei Golem gespiegelte Fassung aus der Financial Times, war hinter Cookie- und Bezahlschranke nicht abrufbar. Daher ließ sich nicht prüfen, ob Anthropic dort mit einer eigenen Stellungnahme zitiert wird und ob die Zeitung weitere Abgänge nennt. Alle hier genannten Zahlen und Zitate stammen aus der abrufbaren AFP-Fassung. Eine offizielle Reaktion des Unternehmens auf Coxons Vorwürfe liegt uns nicht vor.
Häufige Fragen
Wer ist Jacob Coxon?
Ein 27-jähriger KI-Forscher, der am Pretraining großer Modelle arbeitete – erst bei OpenAI, zuletzt rund ein Jahr bei Anthropic. Insgesamt war er drei Jahre in diesem Feld tätig.
Warum hat er Anthropic verlassen?
Er wirft beiden Laboren vor, ohne ausreichende Absicherung auf selbstverbessernde Superintelligenz zuzusteuern. Nach seiner Darstellung halten Beteiligte einen katastrophalen Ausgang noch in diesem Jahrzehnt für möglich.
Wie hoch schätzt Anthropic das existenzielle Risiko ein?
Der Sicherheitsmanager Evan Hubinger nennt laut AFP über 10 % innerhalb eines Jahrzehnts und verweist zugleich darauf, dass ein Kontrollmechanismus für übermenschliche Systeme fehlt.


