KI-Labore verhandeln seit Wochen über Sicherheitsregeln
OpenAI bestätigt Gespräche mit Anthropic und Google DeepMind über gemeinsame Sicherheitstests – während das Weiße Haus die Risiken kleinredet.
Kurz gesagt
OpenAI, Anthropic und Google DeepMind stimmen sich seit mehreren Wochen über gemeinsame Sicherheitsprüfungen für Spitzenmodelle ab – bestätigt hat das am 15.09.2026 OpenAI-Politikchef Chris Lehane.
Auf einen Blick
- OpenAI-Politikchef Chris Lehane bestätigte am 15.09.2026 Sicherheitsgespräche mit Anthropic und Google DeepMind seit mehreren Wochen.
- Geplant ist eine von der Branche finanzierte Prüfstelle, die Spitzenmodelle vor der Veröffentlichung testet.
- Demis Hassabis schlug ein solches Gremium im Juli vor; Sam Altman will unabhängige Prüfer in OpenAI-Teams einbinden.
- Kartellrechtsfrage offen: Amodei brachte eine staatliche Freistellung ins Spiel, Lehane hält sie für entbehrlich.
- Cohere-Chef Aidan Gomez nennt die Initiative ein Kartell unter dem Deckmantel der Sicherheit.
Die drei größten westlichen KI-Labore reden seit mehreren Wochen miteinander über gemeinsame Sicherheitsstandards – und geben das nun offen zu. Chris Lehane, Politikchef von OpenAI, bestätigte die Abstimmung mit Anthropic und Google DeepMind am 15.09.2026. Auslöser war ein Essay von Anthropic-Chef Dario Amodei vom Wochenende, der eine branchenweite Verständigung fordert, um das Tempo bei Spitzenmodellen zu drosseln. Sam Altman, Demis Hassabis und Elon Musk unterstützten den Aufruf öffentlich.
Was geplant ist
Im Kern steht eine von der Branche selbst finanzierte Prüfstelle, die leistungsfähige Modelle vor der Veröffentlichung testet. Als Vorbild dient laut den Berichten die private Selbstaufsicht der US-Wertpapierbranche, die ihre Mitgliedsfirmen kontrolliert. Demis Hassabis von Google DeepMind hatte ein solches Gremium bereits im Juli vorgeschlagen und dafür erhebliche Mittel gefordert, um Fachleute und Rechenkapazität zu bekommen. Sam Altman signalisierte, OpenAI wolle unabhängige Prüfer direkt in die eigenen Entwicklungsteams holen.
Der Streit um das Kartellrecht
Die Unternehmen wissen, dass abgestimmtes Verhalten unter Wettbewerbern rechtlich heikel ist. Amodei brachte deshalb eine ausdrückliche Freistellung durch die Regierung ins Spiel. Lehane hält das für unnötig: Wer sich auf Sicherheit verständige, brauche dafür keine Genehmigung. Wie belastbar diese Einschätzung ist, hat bislang keine Behörde geklärt.
Washington zieht nicht mit
Präsident Donald Trump weist die Warnungen als Schwindel zurück und verweist auf den Wettlauf mit China. Sein Berater David Sacks hält die Rede von existenziellen Risiken ebenfalls für überzogen. Im Kongress laufen dagegen Vorstöße in die andere Richtung: Der FRONTIER Act sieht unabhängige Prüforganisationen in den Laboren vor, ein weiterer Entwurf würde dem Handelsministerium Zuständigkeit für Sicherheitsaudits geben. Senator Bernie Sanders lehnt freiwillige Zusagen ab und verlangt verbindliche internationale Regeln.
Kritik: Kartell mit Sicherheitsetikett
Aidan Gomez, Chef des Konkurrenten Cohere, nennt die Initiative ein Kartell unter dem Deckmantel der Sicherheit. Nvidia-Chef Jensen Huang hält die Sicherheitsdebatte für unverantwortlich. Aus der Gegenrichtung kommt ebenfalls Kritik: Der frühere Forscher Jacob Coxon wirft den Laboren vor, mit dem Leben aller zu spielen.
Was offen bleibt
Die konkreten Inhalte der Gespräche sind nicht öffentlich. Keine der drei Firmen hat bislang einen Zeitplan, eine Rechtsform oder ein Budget für die geplante Prüfstelle genannt. Ob daraus eine Instanz mit Durchgriffsrechten wird, lässt sich derzeit nicht belegen – die vorliegenden Berichte beschreiben Gespräche, keine unterschriebene Vereinbarung.
Häufige Fragen
Worüber sprechen OpenAI, Anthropic und Google DeepMind genau?
Über gemeinsame Sicherheitsstandards und eine mögliche Prüfstelle, die Spitzenmodelle vor der Veröffentlichung testet. Die Einzelheiten der Gespräche sind nicht veröffentlicht.
Ist eine solche Absprache unter Konkurrenten kartellrechtlich erlaubt?
Das ist ungeklärt. Amodei brachte eine staatliche Freistellung ins Spiel, Lehane hält sie für unnötig – eine Behörde hat sich bislang nicht festgelegt.
Gibt es bereits eine verbindliche Vereinbarung?
Nein. Bestätigt sind Gespräche seit mehreren Wochen sowie Absichtserklärungen; Zeitplan, Rechtsform und Finanzierung der Prüfstelle sind offen.