EZB-Ökonomen halten eine Korrektur bei KI-Aktien für wahrscheinlich
Ein Blogbeitrag der Notenbank-Fachleute zieht die Linie zu Eisenbahnmanie, Radioboom und Dotcom — und beziffert das europäische Risiko.

Symbolbild · KI-generiert (AI IN LIFE)
Auf einen Blick
- Veröffentlichung: Blogbeitrag von EZB-Ökonomen, 17. August 2026
- Kernaussage: Eine Korrektur bei US-Technologieaktien sei wahrscheinlich
- Shiller-KGV aktuell rund 41 — zweithöchster Stand der modernen Geschichte
- Höchststand war die Dotcom-Spitze 1999 mit 44 bis 45
- Europäisches Engagement in US-Techwerten: rund 440 Milliarden Euro
- Der Beitrag gibt ausdrücklich nicht die offizielle Position der EZB oder des Eurosystems wieder
Ökonomen der Europäischen Zentralbank haben in einem Blogbeitrag festgehalten, dass eine Korrektur der von künstlicher Intelligenz getriebenen Aktienbewertungen wahrscheinlich sei — und zwar unabhängig davon, ob die aktuellen Kurse die wirtschaftliche Wirklichkeit abbilden oder nicht. Diese Formulierung ist der Kern des Arguments.
Zur Begründung greifen sie auf drei historische Fälle zurück: die Eisenbahnmanie der 1840er Jahre, den Elektrifizierungs- und Radioboom der 1920er und die Internetblase der späten 1990er. In allen drei Fällen war die zugrundeliegende Technik echt, veränderte ganze Branchen und steigerte die Produktivität. Und in allen drei Fällen liefen die Kurse dem tatsächlichen Gewinnwachstum davon.
Als Messgröße nennen sie das zyklisch bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis nach Robert Shiller. Es steht derzeit bei rund 41 — dem zweithöchsten Wert der modernen Geschichte. Übertroffen wurde er nur auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase 1999 mit 44 bis 45.
Für Europa beziffern die Autoren das Ansteckungsrisiko: rund 440 Milliarden Euro europäisches Engagement in US-Technologiewerten. Eine Korrektur bliebe damit kein amerikanisches Ereignis, sondern berührte die Finanzstabilität der Eurozone — über Fonds, Versicherer und Pensionsvermögen.
Wichtig für die Einordnung ist die Form der Veröffentlichung. Es handelt sich um einen Blogbeitrag von Fachleuten, der ausdrücklich nicht die offizielle Position der EZB oder des Eurosystems wiedergibt. Das ist keine Nebensächlichkeit: Notenbanken nutzen dieses Format, um Warnungen auszusprechen, ohne geldpolitische Signale zu senden.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt. Die Warnung fällt in dieselben Wochen, in denen Anthropic einen Börsengang mit zwei Billionen Dollar Bewertung vorbereitet. Beides ist kein Widerspruch, sondern dieselbe Beobachtung von zwei Seiten: Die Bewertungen sind hoch, weil die Erwartungen es sind.
Häufige Fragen
Was ist das Shiller-KGV?
Das zyklisch bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis. Es setzt Kurse ins Verhältnis zu den inflationsbereinigten Gewinnen der vergangenen zehn Jahre und glättet so Konjunkturschwankungen.
Ist das eine offizielle EZB-Warnung?
Nein. Es ist ein Fachbeitrag im EZB-Blog, der laut Hinweis nicht die Position der Notenbank oder des Eurosystems darstellt.
Bedeutet das, die KI-Technik selbst wird überschätzt?
Nicht laut dem Argument. Die genannten historischen Fälle betrafen jeweils echte, prägende Technologien. Kritisiert wird das Verhältnis von Kursen zu Gewinnen, nicht die Technik.


