KI-Training: Microsoft-Manager spricht von Diebstahl
Gerichtlich erzwungene Dokumente aus der Klage der New York Times zeigen: Intern nannten Manager das KI-Training einen Diebstahl beispiellosen Ausmaßes.
Kurz gesagt
Interne Dokumente aus dem Verfahren der New York Times zeigen, dass führende Mitarbeiter von Microsoft und OpenAI das Training mit fremden Texten intern als Diebstahl bezeichneten, während beide Konzerne nach außen auf Fair Use verwiesen.
Auf einen Blick
- Microsoft-Manager Brent Hecht nannte das Vorgehen intern den „größten Diebstahl von Arbeitskraft in der Geschichte“.
- Nick Turley, bei OpenAI für ChatGPT zuständig, sprach im Juni 2023 intern von einer existenziellen Bedrohung für Verlage.
- Die New York Times klagte Ende 2023; das Verfahren läuft unter dem Aktenzeichen 1:25-md-03143-SHS-OTW.
- Ein internes Microsoft-Papier beschreibt einen Teufelskreis: Die KI-Strategie untergräbt die Basis der eigenen Trainingsdaten.
- Laut Hecht würde ein Fair-Use-Argument den Begriff vor Gericht „vollkommen lächerlich“ machen.
Im Rechtsstreit der New York Times gegen OpenAI und Microsoft sind interne Nachrichten und Papiere in die Verfahrensakten gelangt. Sie zeigen Führungskräfte beider Unternehmen, die das Training von KI-Modellen mit fremden Texten intern deutlich härter bewerten als in öffentlichen Stellungnahmen. heise online und t3n berichten übereinstimmend über dieselben Passagen.
Ein Manager, der von Diebstahl spricht
Am schärfsten formuliert es Brent Hecht, bei Microsoft für den Bereich Angewandte Wissenschaften verantwortlich. Er beschreibt die ungefragte Verwertung geschützter Texte als Diebstahl „von beispiellosem Umfang“ und stellt in den Raum, es könne der „größte Diebstahl von Arbeitskraft in der Geschichte“ sein. Sollte ein Gericht diese Praxis unter Fair Use fassen, würde das den Begriff nach seiner internen Einschätzung „vollkommen lächerlich“ machen.
Bei OpenAI klingt es nüchterner, zielt aber in dieselbe Richtung. Nick Turley, dort zuständig für ChatGPT, hielt im Juni 2023 intern fest, das Produkt ersetze Pressetexte größtenteils, statt Leserinnen und Leser zu ihnen zu führen. Für Verlage sei das eine existenzielle Bedrohung.
Der Teufelskreis im eigenen Haus
Ein weiteres Dokument aus dem juristischen Umfeld von Microsoft beschreibt das Problem als Kreislauf, der sich selbst verzehrt. Antworten eines Chatbots senken die Klicks auf die Originalquellen spürbar. Bricht deren Finanzierung weg, verschwindet mittelfristig genau das Material, aus dem die Modelle ihre Qualität ziehen. Das Papier warnt damit nicht nur vor einem Schaden für Verlage, sondern vor einem Rückschlag für die eigene Technik.
Warum das für die Klage zählt
Die New York Times reichte ihre Klage Ende 2023 ein und wirft OpenAI und Microsoft vor, Millionen Artikel ohne Erlaubnis in das Modelltraining gegeben zu haben. Das konsolidierte Verfahren läuft unter dem Aktenzeichen 1:25-md-03143-SHS-OTW. Bei der Prüfung von Fair Use spielt in den USA unter anderem eine Rolle, ob eine Nutzung dem Markt des Originals schadet. Zitate, in denen Beteiligte selbst von Ersatz und von einer Bedrohung sprechen, liefern der Klägerseite dazu Material aus dem Inneren der beklagten Unternehmen.
Was offen bleibt
Aussagen einzelner Beschäftigter sind keine Rechtsposition eines Konzerns, und aus einer internen Mail folgt kein Urteil. In den ausgewerteten Quellen findet sich keine aktuelle Reaktion von Microsoft oder OpenAI auf die zitierten Stellen. Der Bericht von derStandard.at war nur bis zur Anrisszeile abrufbar, seine Darstellung konnten wir deshalb nicht vollständig abgleichen. Eine Entscheidung im Verfahren steht weiterhin aus.
Häufige Fragen
Worum geht es in der Klage der New York Times gegen OpenAI und Microsoft?
Die Zeitung klagte Ende 2023 und wirft beiden Unternehmen vor, Millionen ihrer Artikel ohne Erlaubnis zum Training von KI-Modellen genutzt zu haben. Das Verfahren läuft unter dem Aktenzeichen 1:25-md-03143-SHS-OTW.
Wer ist Brent Hecht und was hat er intern geschrieben?
Hecht verantwortet bei Microsoft den Bereich Angewandte Wissenschaften. Intern nannte er die Nutzung geschützter Texte einen Diebstahl „von beispiellosem Umfang“ und möglicherweise den „größten Diebstahl von Arbeitskraft in der Geschichte“.
Verliert Microsoft den Prozess wegen dieser Dokumente?
Das lässt sich aus den Unterlagen nicht ableiten. Interne Einschätzungen einzelner Mitarbeiter sind Beweismaterial, keine Entscheidung; ein Urteil im Verfahren gibt es bislang nicht.